In Hamburg musste ein Fahrradfahrer ein Bußgeld zahlen, weil er mit seinem Fahrrad zu früh am Bahngleis stand. Laut der Hamburger Verkehrsverbundes befand er sich somit bereits im fahrkartenpflichtigen Bereich, der nur zwischen sechs und neun Uhr mit dem Fahrrad betreten werden darf. Die eingereichte Beschwerde konnte die Bahn nicht umstimmen.

Zeit ist Geld

Michael Brems steht mit seinem Fahrrad in Hamburg-Altona am Bahnsteig und wartet auf die S-Bahn. Er weiß, dass der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) die Mitnahme von Fahrrädern zwischen sechs und neun Uhr untersagt, weshalb er die Bahn um 09:01 Uhr nehmen will. Er wartet am Gleis, während sich ihm zwei Kontrolleure nähern, die ihm so richtig den Tag vermiesen werden.

An der S-Bahnstation Hamburg-Altona wollte Michael Brems mit seinem Fahrrad in die S-Bahn steigen. Quelle: imago/STPP

Wie Bento berichtet, kontrollieren sie sein Ticket und verdonnern ihn daraufhin zu einem Bußgeld von 20 Euro. Der Grund: Brems befand sich um 08:59 Uhr mit seinem Rad auf dem Bahnsteig und somit bereits im fahrkartenpflichtigen Bereich – in dem Fahrräder zu diesem Zeitpunkt noch genau eine Minute lang tabu sind. Perplex schreibt Brems am gleichen Abend der Fahrgeldstelle der Deutschen Bahn und fragt in seiner E-Mail:

“Wie soll ich denn die S-Bahn um 9 Uhr nutzen können, wenn mir nicht mal ein Puffer von wenigen Minuten zugestanden wird, in dem ich auf sie warte?”


Die Reaktion der Bahn

Inständig hofft er, dass sich die Bahn verständnisvoll zeigt und von der Forderung absieht. Doch wie das Hamburger Abendblatt berichtet, stirbt diese Hoffnung fünf Tage später, als eine Angestellte der S-Bahn Hamburg antwortet, dass die Forderung der Bahn zu Recht besteht und Brems den Betrag überweisen soll.

Fahrräder dürfen sich in Hamburg zwischen 6 und 9 Uhr nicht im fahrkartenpflichtigen Bereich befinden. Symbolbild: imago/Stefan Zeitz

Nicht weniger perplex bezeichnet der Fahrradfahrer das Verhalten der Bahn daraufhin als “übertrieben” und “kleinkariert”, während der Pressesprecher des HVV, Rainer Vohl, laut des Abendblattes erklärt:

“Wer total rechtmäßig sein will und die Bahn mit seinem Fahrrad um 09:01 Uhr nehmen möchte, darf erst ab neun Uhr auf dem Bahnsteig im fahrkartenpflichtigen Bereich stehen.”

Nichtsdestotrotz betont die Hochbahn Hamburg, die ein Teil des HVV ist, dass die Bewertung der Lage von den jeweiligen Kontrolleuren abhängt und es einen Ermessensspielraum gibt. Wenn die Entscheidung des Kontrollierenden als unrechtmäßig eingestuft wird, kann Beschwerde eingelegt werden.


Das hat Brems getan – allerdings ohne Erfolg, denn da er keine Rechtsschutzversicherung besitzt, muss er nun das Bußgeld zahlen. Als eigentlich “großer Fan der öffentlichen Verkehrsmittel” ist er angesichts des Ausgangs der Geschichte fassungslos. Die einzige Erkenntnis, die er aus ihr ziehen konnte, ist bis genau neun Uhr oben an der Treppe zu warten und dann in “einem halsbrecherischen Akt mit dem Rad die Treppe runterzustürzen.” In diesem Sinne: allzeit gute Fahrt!