Kinder, die bei fremden Familien zur Pflege aufwachsen, haben es in der Regel nicht leicht. Per Gesetz werden sie außerdem darin gehindert, für sich selbst zu sorgen. Darin sehen Experten ein Problem.

Die Einkommensregelung für Kinder, die in Pflegefamilien und Heimen aufwachsen, ist problematisch. Denn durch die derzeitige Gesetzeslage bleibt den jungen Erwachsenen quasi nichts von ihrem Gehalt, sofern sie arbeiten. Eine entsprechende Gesetzesänderung befindet sich in der Diskussion.

Vom Regen in die Traufe

Kinder, die von Pflegefamilien aufgenommen werden, landen dort nicht ohne Grund. Meist kommen sie aus problematischen familiären Verhältnissen, haben oft Gewalt und Misshandlung erfahren. Dementsprechend schwierig gestaltet sich das Leben dieser jungen Menschen ohnehin schon. 2016 gab das statistische Bundesamt laut Spiegel.de an, dass bundesweit 90.000 Kinder in Pflegefamilien leben.

In vielen Ausbildungsberufen lernen Jugendliche, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Symbolbild: Imago/Rech

Weil der Staat die Kinder unterstützt und Unterhalt zahlt, müssen die allerdings horrende Mengen ihres eigenen Einkommens abgeben – bis zu 75 Prozent. Dass dies keine idealen Bedingungen für eine vorbildliche Arbeitsmoral darstellt, ist wohl wenig verwunderlich.

“So erzieht man weitere Sozialhilfeempfänger.” (Spiegel.de)

Denn laut einer Zeitschriftenreihe der Universität Siegen mit Daten aus Langzeitstudien sind Pflegekinder trotz erfolgreicher Vermittlung stark gefährdet, in ähnlichen Milieus zu landen wie ihre leiblichen Eltern. Ein Teufelskreis, den das Sozialgesetzbuch VIII, Paragraph 94, mit am Laufen hält, so Kritiker.

Geben und Nehmen

Die Regelungen des Paragraphen 94 sind dabei nicht ganz willkürlich. Laut Spiegel.de erhält ein Pflegekind in Hamburg beispielsweise zwischen 814 und 968 Euro, je nach Alter. Beginnt es selbst zu arbeiten und Einkommen zu erwerben, zum Beispiel durch eine Ausbildung, hält das Jugendamt die Hand auf – “Kostenbeitrag” heißt es da. Sobald die Kinder für sich selbst sorgen können, verlangt der Staat einen Großteil des Unterhalts zurück. Doch was theoretisch plausibel klingt, endet praktisch äußerst ungünstig:

“Man gibt den jungen Menschen das Gefühl, dass es sich nicht lohnt zu arbeiten.” (Spiegel.de)

Wie Spiegel berichtete, bleiben von 855 Euro Ausbildungslohn bloß 214 Euro über, die das auszubildende Kind bei einer Vollzeitstelle für sich erwirbt. Das Problem ähnelt dem Dilemma, in dem sich Hartz IV-Empfänger befinden, die andernfalls nur Niedriglöhne erwarten würden: Vollzeitfreizeit gegen Vollzeitstelle, mit nur geringen, finanziellen Einbußen.

Eine liebevolle Pflegefamilie bietet Kindern mit problematischer Vergangenheit viele Chancen. Symbolbild: Imago/PhotoAlto

Gesetzesänderung stagniert

Obwohl bereits 2017 eine Gesetzesänderung vom Bundestag beschlossen wurde, die Pflegekindern mindestens die Hälfte ihrer Einkünfte zusichert, wird sich voraussichtlich erstmal nichts ändern. Das Gesetz hänge laut Spiegel seit über einem Jahr im Bundesrat fest und man werde wohl nochmal einen Gesetzesentwurf vorbringen müssen, damit der Bundesrat sich wieder mit dem Thema befasse. Unglücklich für die Kinder und Jugendlichen, die zur Zeit einer Gesetzesänderung wahrscheinlich bereits erwachsen sein werden.

 

Quellen:
Spiegel.de
Change.org